Quelle:
Illegale Downloads - Profitieren vom Klau - Computer - sueddeutsche.de
Ist schon ein wenig älter, hab ich hier aber nicht gesehen.
Illegale Downloads von Film- und Musikdateien schaden nicht nur. Laut einer
neuen Studie geben die Nutzer das so gesparte Geld kultur- und wohlstandsmehrend
aus.
Glückliches Holland! Dort gibt es Ministerien, die ein Problem, das diffiziler
und brisanter kaum sein könnte, originell angehen: Die vier Minister für
Erziehung, Kultur, Wirtschaft und Justiz haben sich gemeinsam auf das Feld der
illegalen Raubkopien im Internet begeben.
Sie gaben eine Untersuchung in Auftrag, die ermitteln sollte, wie sich die
illegalen Download-Aktivitäten der Niederländer volkswirtschaftlich auswirken:
Welchen ökonomischen Effekt haben Tauschbörsen auf die Bilanz des Gemeinwesens?
Denn es ist ja eines, den betroffenen Musik- und Filmindustrien beim Jammern
darüber zuzuhören, dass Raubkopien ihre Umsätze zusammenschmelzen lassen, weil
doch niemand mehr legal kaufe, was er illegal kostenlos bekommt.
Volkswirtschaftlicher Mehrwert von 200 Millionen Euro
Ein anderes aber ist es, sich zu fragen, was die Downloader denn mit dem so
"gesparten" Geld machen, wofür sie es also stattdessen ausgeben - und ob sie es
überhaupt ausgeben. Die Autoren der soeben auf Englisch erschienenen Studie "
Ups
and Downs" kommen zu dem verblüffenden Ergebnis, dass den mutmaßlich 100
Millionen Euro, die dem Musikbereich jährlich verlorengehen, ein
volkswirtschaftlicher Mehrwert von 200 Millionen Euro gegenüberstehen.
Demnach verteilten die Piratennetze nicht nur Werte um - weg von den Erzeugern,
hin zu den Piraten. Vielmehr seien sie sogar ein Motor gesellschaftlicher
Wertschöpfung. Das Gemeinwohl profitiere vom Klau. Und zwar sowohl kurz- als
auch langfristig.
Das zu belegen, also Aussagen darüber zu treffen, wie sich illegale Downloads
auf das Kaufverhalten an sich auswirken, nennen die Autoren der Studie wohl zu
Recht eine "tricky exercise", eine waghalsige Übung. Sie bemühen dafür die
sogenannte "Rob and Waldfogel"-Theorie der allgemeinen Wohlfahrt, die vermutlich
nicht jeder niederländische Minister und wohl auch sonst kaum jemand wirklich
versteht.
Sie basiert auf der wohl richtigen Annahme, dass nicht jeder im Internet
raubkopierte Song tatsächlich gekauft worden wäre, hätte es die Möglichkeit zum
Klau nicht gegeben. So sind die Verluste der Musikfirmen viel niedriger
anzusetzen, als immer behauptet wird.
Tatsächlich wäre aber auch nicht nichts für Musik ausgegeben worden. Vielmehr
wird das gesparte Geld nun kultur- und wohlstandsmehrend ausgegeben: für
Merchandising und Konzerte. Die Kollegen Rob und Waldfogel sollte man mit ihrer
wundersamen Geldvermehrungstheorie auch in der Finanzkrise zu Rate ziehen.